Literaturtheorie
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Die Novelle – novella (ital.) - Neuigkeit Der Versuch einer Kurzerklärung
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Als Väter der Prosanovelle gelten der Italiener Giovanni Boccaccio mit seinem „Decamerone“ (1353) und der Spanier Miguel de Cervantes mit den „Novelas ejemplares“ (1613). Während Boccaccio die Handlungsnovelle, in der die Figuren situationsbedingt handeln, in die Erzählprosa einführt, ist bei Cervantes bereits die Entwicklung von der Handlungs- zur Charakternovelle angelegt. Als Vorbild für die europäische Novellistik des 19./20. Jh. ist aber Boccaccio mit seinem Decamerone geworden. Der Novellenzyklus Decamerone besteht aus Rahmen- und Binnenerzählungen. Eine Gesellschaft von sieben Damen und Herren, die vor der Pest von 1348 aus Florenz auf ein Landgut geflüchtet sind und dort an zehn Tagen insgesamt hundert „novelle“, viele davon sind von erotischer Natur, erzählen, um die Wartezeit zu verkürzen. Eine dieser Novellen, die Falkennovelle (neunte Geschichte des fünften Tages), wurde dabei wegen ihres leitmotivisch verwendeten Falken berühmt. An ihrem Vorbild entwickelte Paul Heyse gegen Ende des 19. Jh. seine Falkentheorie. Heyse fordert von jeder guter Novelle einen „Falken“, d.h. ein dingliches Leitmotiv, also etwa ein Dingsymbol, das als verbindendes Formelement an wesentlichen Stellen immer wieder erscheint. In Deutschland entsteht die Novelle im literarischen Rokoko als geselliger Novellenkranz. Den Novellenbegriff selber setzten aber erst Wieland und Goethe durch. Zwar nimmt die Novelle schon in der Romantik (Tieck, Brentano, E.T.A. Hoffmann, Eichendorff u.a.), hinter dem Roman und dem Märchen, einen bedeutenden Platz ein, ihre eigentliche Blütezeit aber erlebt sie im bürgerlichen Realismus zwischen 1850 und 1880. Der Realismus bevorzugt die Novelle einerseits wegen ihres starken Symbolcharakters, der sich u.a. in der gehäuften Verwendung von Dingsymbolen zeigt, und anderseits wegen ihrer objektivierten Berichtweise, wie sie vor allem im Typus der Rahmennovelle (Gotthelf, Keller, Storm, Heyse und C.F. Meyer), in deren Rahmen sich meist ein geselliges Publikum vorstellt, das der Binnenerzählung eines fiktiven Erzählers zuhört. Theodor Storm sprach auch davon, dass die Novelle die Schwester des Dramas sei. Seit dem Naturalismus tritt die Novelle zugunsten der Erzählung zurück, um in der Moderne fast ganz zu verschwinden. Im 20. Jh. beschränkt sie sich, mit wenigen Ausnahmen (Thomas Mann, G. Hauptmann, St. Zweig, G. Grass u.a.), auf die bewusst traditionelle, rückwärtsgewandte Dichtung, welche eine Welt verbindlicher Wertmassstäbe voraussetzt (Neuklassik, Neuromantik, christliche AutorenInnen). Innerhalb der Postmoderne lässt sich wieder bei einigen AutorInnen (M. Walser, P. Süsskind, H. Stern, D. Wellershoff u.a.), eine gewisse Renaissance der streng komponierten Novelle feststellen. ALLGEMEIN
- NOVELLEN:
INHALTLICH
wird meist ein real vorstellbares Ereignis oder eine Folge von
Ereignissen, die aufeinander bezogen sind, gestaltet. Die Ereignisfolge
beruht auf einem zentralen Konflikt. FORMAL
ist die straffe, meist einsträngige Handlungsführung wesentlich, das
pointierte Hervortreten eines Höhe- und Wendepunktes sowie die Tendenz
zur geschlossenen Form, bei der ein Konflikt bis zur Entscheidung
durchgeführt wird. Dementsprechend treten ausführliche Schilderungen
von äußeren Umständen oder psychischen Zuständen zurück. Dieser
strenge Aufbau mit geraffter Exposition und klar herausgearbeitetem
Wendepunkt zum Unerwarteten rückt die Novelle in die Nähe des Dramas.
Weitere typische Merkmale sind bestimmte Vorausdeutungstechniken wie
LEITMOTIVE, und DINGSYMBOLE. Von der Legende, der Fabel und dem Märchen
unterscheidet sich die Novelle durch ihren Realitätsbezug, von der
Anekdote, dem Schwank und der Kalendergeschichte durch bewusst
kunstvollen Aufbau und gehaltlichen Gewicht, vom Roman durch die
Konzentration auf Ereignis und Einzelkonflikt. Häufig
sind Novellen zu einem Zyklus vereint (Novellenkranz), der oft nicht nur
den äußeren Rahmen für die Erzählsituation, sondern auch den
gesellschaftlichen und geschichtlichen Bezugsrahmen für die Einzeltexte
abgeben kann.
Gegenüberstellung Roman – Novelle
Hier
noch einige Merkmale der Novelle:
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© Karin Graf-Braun – Quellen: UTB Literaturwissenschaft, Literaturlexikon, Internet;